Bleibender Ausgangspunkt des Verständigungsprozesses "Kirche, Gemeinde und Pfarrdienst neu denken" ist die Frage, wie die Arbeitsbedingungen im Pfarrdienst so gestaltet werden können, dass dieser Dienst "gut, gerne und wohlbehalten" geschehen kann.

Hierzu gibt es viele sehr unterschiedliche, einander teilweise widersprechende Vorschläge. Dabei zeigt sich, dass starre Vorgaben und klar abgesteckte, eingrenzende Rahmen der Besonderheit des Pfarrberufs nicht gerecht werden. Dennoch braucht es einige verbindliche Standards, damit Freiräume für die theologische Arbeit und die Gestaltung des Privatlebens eröffnet und Kooperationen zur gegenseitigen Entlastung und Unterstützung ermöglicht werden.

In einem Arbeitspapier zur Gestaltung förderlicher Arbeitsbedingungen im Gemeindepfarrdienst vom 16.10.2020 wurden einige wenige, aber zentrale Standards benannt, die ohne große Gesetzesänderungen realisiert werden können. Diese Standards werden ab 2021 in den Kirchenbezirken umgesetzt. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um zwei Themenbereiche:

(1)    Freiräume ermöglichen

Pfarrerinnen und Pfarrer brauchen Freiräume, um theologisch arbeiten und geistlich auftanken zu können. Und sie brauchen verlässlich geregelte freie Zeiten für Urlaub und zur Gestaltung von Freizeit und Privatleben. Dies erfordert klare kollegial getroffene Absprachen und, im Konfliktfall und in der Kommunikation gegenüber den Gemeindegliedern, die Unterstützung der Dekanin, des Dekans.

·         Standard ist deshalb ein frühzeitig aufgestellter und klar kommunizierbarer Urlaubsplan für längere, über 14-tägige Urlaube, in den Distrikten und im Kirchenbezirk.

·         Dabei ist auf die Regelungen der Urlaubsverordnung hinzuweisen, ab wann Urlaubsansprüche verfallen.

·         In den Kirchenbezirken werden, in Absprache mit den Schuldekaninnen und -dekanen, Springerdienste für den RU vereinbart, um Vertretungsdienste auch außerhalb der Schulferien zu ermöglichen.

·         Neben dem Urlaubsanspruch sieht die Urlaubs- und Stellvertretungsverordnung bei regelmäßigem sonntäglichen Predigtauftrag einen dienstfreien Sonntag pro Monat vor. Dafür sind in den Kirchenbezirken sorgfältig ausgearbeitete Gottesdienstpläne und eine funktionierende Wochenend-Rufbereitschaft eingerichtet.

·         Bei PE-Gesprächen, Visitationen und im Vorfeld von Wiederbesetzungssitzungen wird, ggf. unter Einbeziehung der örtlichen Gemeindeleitung, von der Dekanin/dem Dekan thematisiert, welche Aufgaben anstehen und worin der spezifische Beitrag des Pfarrdiensts bestehen soll. Wo müssen ggf. Abstriche gemacht werden, damit genügend Zeit bleibt für die Gestaltung des gottesdienstlichen Lebens, für Seelsorge und Kasualien, für Fortbildung und Supervision?

(2)    Übergänge gestalten

Bei Stellenwechseln wird darauf geachtet, dass genügend Zeit für die Gestaltung des Übergangs bleibt.

·         Supervision gehört zum Standard, damit die mit einem Stellenwechsel verbundenen Themen - Abschied nehmen und Neubeginn gestalten - in guter Weise bearbeitet werden können. Erfahrungsgemäß reichen hierfür 3-4 Supervisionssitzungen aus.

·         Die Woche vor und die Woche nach dem Stellenwechsel/Umzug ist von Gottesdiensten und Kasualien freizuhalten.

·         Nicht in Anspruch genommene Fortbildungstage können für eine in Eigenverantwortung geplante und mit dem Dienstvorgesetzten abgesprochene Retraite verwendet werden. Ggf. können zusätzliche dienstfreie Tage gewährt werden.

 

Weitere Maßnahmen stehen an, insbesondere die Förderung von gaben- und aufgabenorientierter Kooperation in regio-lokalen Zusammenhängen, familienfreundliche(re) Arbeitsstrukturen und eine attraktivere Gestaltung von Leitungsämtern.